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Ford Escort IV

Technische Daten

Typ: GAL u. a.

Bauzeit: 1990 - 2000
Bestand: 110.000

Selten wurde ein neuer Ford derart frostig empfangen wie dieser Escort, die Fachpresse stellte ihm ziemlich schlechte Zeugnisse aus. Die CVH-Motoren konnten wieder einmal nicht überzeugen, aber auch der allgemeine technische Stand, besonders bezüglich der Sicherheit, hinkte dem Klassenfeld hinterher. Ansonsten bot der Wagen in jeder Hinsicht Durchschnittliches, Highlights suchte man vergebens. Der Chronist Oswald sprach gar von „kleinkarierter Mittelmäßigkeit“.

Escort 1
© Ford Motor Company
Ford Escort

Bei den echten Mängeln schaffte Ford schnell Abhilfe: Zum Modelljahr ’93 gab es ein umfangreiches Facelift mit entsprechenden Änderungen und auch mit neuen Motoren. Die Escort werden seitdem offiziell als sechste Generation bezeichnet. Man erkennt sie am Kühlergrill, welcher nun in der Motorhaube platziert ist. Weniger bedeutend hingegen ist der Wechsel zur Generation sieben im Januar ’95, bei dem es vor allem um äußere Retuschen ging. Die Front erhielt rundlichere Details und damit einen Stich ins Japanische, was schon beim Mondeo nicht jedem gefiel. Nebenbei gesagt ist die Unterscheidung in die Generationen fünf, sechs und sieben kaum jemandem geläufig, weshalb hier die gesamte Serie unter „Escort IV“ zusammengefasst wurde.

Wichtige Eigenschaften des Escort sind das gute Raumangebot und die eher weiche Federung. Die Sitze wurden vereinzelt als Zumutung bezeichnet, dem Autor ist aber nichts in dieser Richtung aufgefallen. Da viele Modelle im Gewicht nun real oberhalb von 1100 kg liegen, spendierte Ford ab 1,4 Litern Hubraum eine Servolenkung.

Allen Karosserien gemein ist die gute Übersichtlichkeit, mit der sich beim Einparken die große Länge wieder ausgleichen lässt. Vom Vorgänger übernommen hat der Escort das Schrägheck mit dem kurzen Stummel. Diese Versionen mit drei oder fünf Türen machen 45 % des Bestandes aus, es folgt dichtauf der vergrößerte Kombi mit 41 %. Wiederum ein Nischenprodukt blieb mit 4 % das bis ’93 Orion genannte Stufenheckmodell. Heute wird es selbst vom Cabrio (10 %) überflügelt.

Qualität

 TÜV
 Rostquote: 19,8 %
+

  –
Hinterachse

Vorderachse

Oft hört man das Gerücht, dass sich der Rostschutz in den späteren Jahren verbessert hätte. Dem war leider nicht so, mit schönster Gleichmäßigkeit lag die Quote auch in späteren TÜV-Reports weiter bei 20 %. Der Rost ist damit das Hauptproblem, jüngere Escort für viel Geld sind eine schlechte Investition. Im Gegensatz zu Opel hat es Ford irgendwie geschafft, dass der braune Fraß weitgehend im Verborgenen wütet und die Karosserie äußerlich meist ansehnlich bleibt. Ein guter optischer Eindruck kann also sehr täuschen.

Insgesamt fiel der Wagen beim TÜV deutlich häufiger durch als der Schnitt. Die Mängel waren dabei gleichmäßig verteilt. Statistisch auffällig wurden nur die Achsen, die hintere sogar in positiver Hinsicht.

Beim ADAC gab es keine Auffälligkeiten, der Escort rangierte im Mittelfeld.
Ebenfalls unauffällig ist die Verarbeitung, sie entspricht einfach dem damals Üblichen.

Antrieb

Vielen Käufern schien der Escort schon zu schwer für den 1,3-Liter zu sein. Die nackte PS-Leistung verrät ja auch nicht direkt, dass dieser im normalen Drehzahlbereich genauso kräftig anzieht wie der 1,4 CVH. Dabei läuft er leiser und spart einiges an Benzin.

Zur dennoch höheren Stückzahl des 1,4-Liters hat sicher auch beigetragen, dass Ford ihn so günstig anbot. Der Mehrpreis lag beispielsweise 1993 bei 500 DM, sehr wenig Geld für elf zusätzliche PS.

Immerhin war Ford der schlechte Ruf des CVH nicht verborgen geblieben. Er heißt daher ab 1995 PT-E und leistet 75 PS. Ebenso wie die 73 PS-Version des Fiesta wurde er mit einer Multipoint-Einspritzung und einem verstärkten Kurbelgehäuse aufgewertet. Der Erfolg dieser Maßnahmen beeindruckt leider wenig. Der Verbrauch bleibt zu hoch und die Maschine immer noch unkultiviert. Der PT-E knackt im Stadtverkehr sogar die 10 Liter-Marke, während jüngere 1,3-Liter noch sparsamer wurden.

Escort 2
© Ford Motor Company
Ford Escort Tournier

Aber auch im Vergleich mit den stärkeren Motoren sieht der 1,4-Liter alt aus. Diese stammen aus der Zetec-Familie und wurden zum Modelljahr ’93 eingeführt. Alle sind Vierventiler und man kann lobend sagen, dass sie den damaligen Stand der Technik repräsentieren. Das Laufgeräusch ist wohl etwas kernig, dabei aber weit entfernt vom Lärm des CVH. Am meisten gefragt war der 1,6-Liter mit 88/90 PS. Die lange Übersetzung macht ihn nicht ganz so spritzig, dafür lassen sich aber lange Autobahnetappen ruhig und sparsam hinter sich bringen.

Druckvoller geht es mit 1,8 Litern und 105 PS voran. Das gilt besonders für den kürzer übersetzten XR3i, dessen Fahrwerte im Datenblatt hinter dem Schrägstrich angegeben sind. Einen weiteren XR3i mit 130 PS gab es fast ausschließlich als Cabrio (770 Exemplare).

Ab dem Modelljahr ’96 brachte der 1,8-Liter dann immer 115 PS. Diese Ausführung ist kräftiger und auch noch sparsamer als die Version mit 105 PS.

Topmodell war, mit dem gebührenden Abstand, der besonders sportliche RS 2000. Seine Maschine stammt nicht aus der Zetec-Serie, sondern basiert noch auf dem DOHC des Sierra. Selbstredend ist er kurz übersetzt – und im Originalzustand schwer aufzutreiben.

Nicht im Datenblatt findet sich der 1,6-Liter CVH mit 105 PS, der nur bis zum ersten Facelift verbaut wurde. Der Vergleich mit dem modernen 90 PS-Motor geht wie folgt aus: Gleiche Übersetzung, gleicher Durchzug, obenherum mehr Leistung, aber viel mehr Lärm und höherer Verbrauch. Der Bestand von 1.900 Stück ist im Vergleich zu den neueren Maschinen unbedeutend.

Automatikfreunde kommen beim Escort nicht auf ihre Kosten. Nur in den ersten beiden Jahren war der 1,4-Liter mit der stufenlosen CTX lieferbar. Funktionsfähige Exemplare sind heute fast nicht mehr zu finden, die Ausfallquote ist hoch. Der Eindruck des Autors bei einer Testfahrt schon vor gut 20 Jahren: noch nicht ganz ausgereift, die Technik. Bei zügigem Abbremsen, z. B. vor einer roten Ampel, würgte die Automatik den Motor jedes Mal fast ab. Der Mechanismus kam einfach nicht schnell genug nach. Dazu ließen Rattern und Unsauberkeiten bei bestimmten Übergängen schon einigen Verschleiß erahnen, obwohl die Laufleistung dieses Wagens erst etwa 20.000 km betragen hatte. Angenehm hingegen wirkte das niedrige Drehzahlniveau beim sanften Beschleunigen und bei Konstantfahrt.

 

Datenblatt Ford Escort  1993
  1,3 1,4 1,6 1,8 2,0 RS 2000
Bestand- 3.000 27.000 62.000 10.000* 340
Leergewicht kg 1000 1040 1085 1085 1165
Motor- R4 R4 R4 R4 R4
LeistungkW(PS) bei U/min 44(60)/5000 52(71)/5600 66(90)/5500 77(105)/5500 110(150)/6000
DrehmomentNm bei U/min 101/2500 103/4000 134/3000 153/4000 190/4500
Höchstgeschwindigkeitkm/h 153 163 177 187/187 208
Steigfähigkeit bei 100 km/h % 3,5 3,5 (n. a.) 4,5 6,0/7,0 9,0
Geschw. bei 1000 U/minkm/h 34,3 34,3 (46,5) 36,4 36,4/32,4 32,3
VerbrauchLiter/100 km          
bei 90 km/h 5,4 6,0 (6,3) 5,7 6,2/6,3 6,1
bei 120 km/h 7,1 7,7 (7,9) 6,9 7,7/7,9 7,7
Stadtverkehr 8,1 9,6 (11,2) 9,1 9,7/10,1 11,4
Haftpflicht/TeilkaskoKlasse 17 / 12 17 / 12 17 / 13 18 / 15 18 / 23
Maßemm, Liter 4105 x 1695 x 1395, 380 • 4-Türer 4230, 490 • Turnier 4270, 460/1425
  * inkl. 115 PS und 130 PS

Aktualisiert: 16. Dezember 2014